Pilgern auf dem St. Jakobusweg von
St. Jean-Pied-de-Port/Frankreich nach Burgos/Spanien
09.06.-23.06.2015
Dienstag, 09.06.2015
- Ich mache mich auf den Weg –
Wir treffen uns am 09.06.2015 um
5:00 Uhr im Kloster St. Ottilien vor dem Exerzitienhaus am Kreuz. Zusammen
singen wir das Lied „heiliger Jakobus“, beten gemeinsam, erhalten von Pater
Augustinus die Pilger-Muschel und den Pilgersegen.
Die geplante Abfahrt um 5:30 Uhr
verzögert sich um 1, 5 Stunden, da Bruder Stephan, unser Fahrer zum Flughafen,
sich verspätet. Damit ist der geplante Flug nach Pamplona über Madrid weg.
Pater Augustinus und Gerald
organisieren einen späteren Flug um 12:10 Uhr über Madrid nach Pamplona.
Geplante Ankunft in Pamplona ist 17:15 Uhr; damit ist der letzte Bus nach St
Jean-Pied-de- Port auch weg. Die Weitereise dorthin ist um 15:25 Uhr auf dem
Flughafen Madrid noch nicht geklärt.
Zwei unserer Mitpilger, die in
München auf dem Flughafen auf die Hauptgruppe warteten, sind pünktlich
vorgeflogen und versuchen von Pamplona aus eine Busverbindung nach St.
Jean-Pied-de-Port zu organisieren. Es war den vorgereisten Pilgerbrüdern jedoch
nicht möglich noch eine Busverbindung aufzutun.
So fuhr die Hauptgruppe, die
verbliebenen 10, auf 3 Taxis verteilt die knapp 80 km von Pamplona nach St.
Jean-Pied-de Port. Ankunft dann so gegen 19:30 Uhr.
Die Herren Siegfried und Peter, die
Vorgereisten, besorgten unterdessen die Verpflegung für den 1. „Wandertag“ am
10.06.2015. Wunderbare Baguette-Brötchen mit Wurst, Tomaten und Gurken.
In einem gemütlichen Restaurant fand
bei einem guten Essen und Wein der Abschluss eines ereignisreichen Tages statt.
Nach einem kurzen Rundgang durch St.
Jean-Pied-de-Port kehrten wir um 22 Uhr zur Nachtruhe in die Herberge zurück.
Lothar Mehlem
Mittwoch, 10.06.2015
1. Pilgertag von St.
Jean-Pied-de-Port (über die Pyrenäen) nach Roncesvalles (25 km)
Morgens, 6:30 Uhr, es regnet wie aus
Kübeln geschüttet. Die größte Herausforderung auf die wir uns so gefreut haben,
die Route Napoleon, fiel somit buchstäblich ins Wasser.
Nach unserem Frühstück gingen wir
trotz Regens frohgemut über die „Winterroute-Valcarlos“ los. Gegen Mittag hat Petrus
Erbarmen mit uns, es hat aufgehört zu regnen. Es war doch noch möglich, weg von
der Landstraße durch Wald und Wiesen zu pilgern. Nach großen Anstrengungen
erreichen wir die Kapelle auf der Ibañeta-Passhöhe von 1057 m. Nach kurzem
Abstieg erreichen wir die Herberge in der alten Augustinerabtei
Orrega/Roncesvalles.
Schnell sind wir aus den nassen
Kleidern geschlüpft und unter die heiße Dusche gehüpft.
In der anschließenden Pilgerrunde,
suchte sich jeder ein passendes Wege-Wort für die Pilgerreise aus und teilte
uns dazu seine Gedanken mit.
Nach einem guten Essen war die
Pilgermesse in der alten Abteikirche mit mehreren Priestern (Pater Augustinus
war einer von ihnen) und der ersten und sechsten Strophe des Liedes „heilger
Jakobus“, gesungen von unsere Gruppe für die andern Pilger, der krönende
Abschluss des ersten Pilgertages.
Brigitte Dressler und Agnes Hirsch
Donnerstag, 11.06.2015
2. Pilgertag von Roncesvalles-Orrega
nach Zubiri (23 km)
Der Tag startete, wie der gestrige
endete: Regen.
Nach einer kurzen Morgenandacht
starten wir um 6:45 Uhr, wie gewohnt, eingehüllt in unsere Regenkleidung.
Ein bei Sonnenschein sicherlich
wunderschöner Weg führt uns nach Auritz/Burguete, wo wir einkaufen und Kaffee
trinken. Netterweise durften wir unsere Baguettes dort im Trockenen belegen.
Es regnet immer noch, nein es
schüttet, kübelt, gießt wie aus Eimern! Kurz vor Biskarret/Gerendian hört es
endlich auf zu regnen, so dass wir dort bei einer Bar draußen Pause machen und
unser Regenzeug zum Trocknen auf einen Zaun legen können. Bei Sonnenschein und
rasch ansteigenden Temperaturen „erklimmen“ wir den Pass Alto de Erro (801 m).
Ich weiß nicht mehr wann und wo, aber es fing wieder an zu regnen. Einen
Vorteil hat der Regen, er lenkt total vom Gewicht des Rucksacks ab.
Über einen langen und steil abwärts
führenden Hohlweg verlassen wir unsere Höhe und kommen in Zubiri an. Wir
überqueren über die Puente de la Rabia (Brücke der Tollwut) den Rio Arga und
erreichen unsere Herberge Albergue Zaldiko. Klein, aber sauber. Alles in Allem
wäre der heutige Tag sicherlich eine Augenweide gewesen, landschaftlich
wunderschön.
Ach ja, einmal mussten wir den
Original-Jakobsweg verlassen. Ein Fluss hatte auf Grund des wahnsinnigen Regens
so viel Wasser, dass der Weg einfach untergegangen war.
Nachdem wir in der Herberge unsere
Sachen gewaschen und getrocknet haben, feierten wir in einem Restaurant eine
wunderschöne Tischmesse. Im Anschluss gab es nicht nur ein total leckeres
Essen, sondern auch die eine oder andere Choreinlage für ein Geburtstagskind
und die restlichen Gäste.
Nicht genug, unser Männerchor musste
dann später noch auf der Tollwutbrücke für ein paar Texanerinnen ein paar
Lieder singen.
Wir gehen alle total glücklich nach
einem begegnungsreichen Tag ins Bett.
Das alles ist einfach der CAMINO!
Simone Leiendecker
Freitag, 12.06.2015
3. Pilgertag von Zubiri nach
Pamplona (21 km)
Als wir um 6:30 Uhr vor unser
Herberge Albergue Zaldiko und zum Gebet aufstellten, war ein jeder überrasch an
diesem Morgen. Trockene Straßen, ein kühles Lüftchen, Nebelschleier, die sich
schon auflösten. Das war ein neues Gefühl und ließ Hoffnung aufkommen für
diesen Tag.
Pater Augustinus erläuterte uns zum
Thema „Begegnung“ sich auf den Anderen einzulassen, ihm zuzuhören und seine
Sorgen und Probleme zu teilen und so zum Nächsten zu werden.
Ein gutes Frühstück in einer Bar um
die Ecke und der Pilgerweg konnte angegangen werden. Bergauf-bergab durch
dampfende Wiesen und Wälder, vorbei an grasenden Kühen, Pferden und Schafen in
einer erwachenden Natur, wie sie schöner nicht sein könnte. Die Sonne zeigte
sich erstmals von ihrer besten Seite und wir dankten Gott ein weiteres Mal bei
der Mittagspause für so viel Güte und Barmherzigkeit.
Wir pilgerten entlang des Flusses
Rio Arga, sahen Fischer, Pilger und Handwerker, die gut gelaunt ihrer Tätigkeit
nachgingen.
Über eine mittelalterliche
Steinbrücke erreichten wir Trinidad de Arre und dankten wiederum in einer
kleinen Klosterkirche für diesen herrlichen Tag in Gottes freie Natur.
Jetzt war es nur noch eine
dreiviertel Stunde bis Pamplona zum Hostel Aloha. Ein freundlicher Empfang und
im Nu waren die Zimmer verteilt.
Um 18:00 Uhr gingen wir gemeinsam
zur Kathedrale, um an einem Seitenaltar mit P. Augustinus die heilige Messe zu
feiern. In seiner Predigt weist er auf die Aussendung der heiligen 12 Apostel
hin. Die ähnlich wie wir, sich in fremden Ländern beweisen mussten. Der Tag
endete mit einem köstlichen Pilgermenu im Café Iruña bei beste Stimmung und
Gelassenheit.
Mit einem abendlichen Bummel durch
Pamplona, auf der Calle Estafeta durch die, während des San Firmino-Festes, die
Stiere und Stierläufer in Richtung Stierkampfarena rennen, vorbei am barocken
Rathaus durch schier unübersehbare Menschenmengen klang der dritte Pilgertag
aus.
Siegfried Heichele
Samstag, 13.06.2015
4. Pilgertag von Pamplona nach
Puente r la Reina (21 km)
Der Tag begann um 6 Uhr in der
Herberge Aloah mit dem Frühstück.
Nach dem Morgengebet wurde zum
Aufbruch gestartet. Durch die Straßen der Altstadt an der Universität von
Navarra vorbei ging es in Richtung Cizur Meno. Der Weg wurde immer schöner und
wir wanderten durch Getreidefelder nach Zariquiegui. In der Kirche gab es den
Pilgerstempel. Wir sangen ein Lied und beteten für uns und unsere Mitmenschen.
Weiter ging es bei Sonne schein und ansteigendem Weg mit Blick auf den Windpark
auf den 753 m hohen gelegenen Pass Alto del Perdón. Erfreulich war dass die
ganze Gruppe den Aufstieg von 300 Hm toll gemeistert hat.
Auf der Passhöhe erinnert ein
Gedenkstein an die Kapelle und das Pilgerhospital Nuestra Señora del Perdón.
Daneben haben Navarras Jakobsfreunde 1996 eine Pilger/Karawanenskulptur
errichtet. Die Skulpturen wurden auch von uns zum Fotografieren benutzt.
Nach 30 Minuten Pause wurde der Weg
Richtung Uterga auf 485 Hm fortgesetzt. Der Abstieg war, wie es sich für Pilger
gehört, ziemlich steinig. Kurz vor Uterga beteten wir an einer schönen
Marienfigur den „Engel des Herrn“.
Der Weg führte uns an Uterga vorbei
nach Obanes. Hier machten wir in Café Nogales eine längere Pause, was jedem gut
tat. Bei gutem Kaffee und anderen Getränken erholten wir uns wieder. Nach einer
Stunde Pause nahmen wir die letzten 4 km nach Puente la Reina, wo wir um 14:30
Uhr in der Herberge Hotel Jakue ankamen.
Die Pause bis 18 Uhr wurde zur
Erholung, Körperpflegen und Wäsche waschen genutzt. Dann hielt Pater Augustinus
in der Bibliothek des Hotels einen eindrucksvollen Gottesdienst. Anschließend
klang der Abend bei gutem Essen aus. Es gab ein tolles Vorspeisenbuffet und
guter Wein trug zur guten Stimmung bei.
Um 10 Uhr gingen wir alle müde und
glücklich ins Bett.
Annelies und Schorsch Hirtelreiter
Sonntag, 14. 06. 2015
5. Pilgertag von Puente la Reina
nach Estella (ca. 20 km)
Wir übernachteten in der Albergue
Jakue. Um 6 Uhr gab es Frühstück und danach Andacht an der Jakobusfigur an der
Herberge.
Das Tagesthema heute war „achtsam in
der Welt sein“. Das heißt achtsam sein mit uns, mit mir und der Umwelt.
Unser Pilgerweg führt uns durch
malerische Gassen von Puente la Reina. Von einem Kamin begrüßte uns ein
Storchenpaar. Bei strahlendem Sonnenschein überquerten wir die steinerne Brücke
aus dem 11 Jahrhundert. Sie wurde von der Königin erbauen lassen, um den
Pilgern die beschwerliche Überquerung des Rio Arga zu erleichtern.
Schweigend am Arga entlang ging es
dann steil bergauf zum Ort Mañeru. Wir sahen von oben eine Weltkarte aus
Sträuchern im Feld geformt. Getreide- und Weinfelder säumten unseren Weg. Der
Blick auf Cirauqui war überwältigend. In diesem Ort kauften wir unseren
Proviant für den Tag.
Der Überblick über die Gegend war
sehr schön und um 10:45 haben wir an einer alten Brücke Pause gemacht.
Gut gestärkt ging es wieder bergauf.
Der Jakobsweg verlief sehr abwechslungsreich, mal auf breiten steinigen, mal
auf schmalen Wegen.
In Villatuerta fanden wir einen
Platz mit Brunnen, so hatte sich jeder die Hände erfrischt und Lothar auch noch
den Kopf.
Hier konnten wir von 13 - 13:45 Uhr
unsere Sonntagsmesse feiern.
Es war schwül und es sah nach
Gewitter aus, doch wir kommen gut und trocken in Estella in der Jugendherberge
Oncineda an.
Da wir um 15 Uhr in der Herberge
waren, konnten wir uns ausgiebig auszuruhen, bis wir um 19:30 Uhr Abendessen
hatten.
Mit einem Marienlied beschlossen wir
diesen Pilgertag.
Marianne Kachelriß und
BrigitteDressler
Montag, 15.06.2015
6. Pilgertag von Estella nach Sansol
(30 km)
Heute geht es nach Sansol. Ein
bisschen Ehrfurcht haben wir vor dieser Etappe. Sie starten mit einem Anstieg
von ca. 300 Hm und dürfte insgesamt ca. 30 km lang sein. Das Wetter spielt
jedoch mit. Wir hatten Sonnenschein, aber es war nicht zu warm.
Wie gewohnt starteten wir um 7 Uhr
schweigend für eine Stunde. Der Anstieg lief durch ein stark bewaldetes Gebiet.
In der Nacht gab es Gewitter und die Luft war sehr angenehm. Der Weg führte uns
am Kloster Irache vorbei. Dort ist eine Weinquelle, die den Pilgern den Weg
erleichtern soll.
Irgendwann machte sich die Ebene auf
mit riesigen Weizen- und Haferfeldern, dazwischen Weinberge und sogar
Spargelfelder. Es ging km-lang an den Feldern vorbei. Man hatte das Gefühl,
durch eine verlassene Gegend zu laufen. Kein Haus, kein Geschäft, keine
Menschenseele auf den Feldern. Nur der Pilgerweg, auf dem wir immer wieder „alte
Bekannte“ trafen. Die zwei französischen Damen, das japanische Pärchen oder
Aloys. Er hat sich für heute unserer Gruppe angeschlossen.
Einen Zwischenstopp legten wir in
Los Arcos ein und besuchten die beeindruckende „Iglesia de Santa Maria“ (12.
-18. Jh.). Dort gab es unsere leckeren Sandwiches. In der Kirche durften wir
keinen Gottesdienst feiern. Wir sangen eben „Großer Gott wir loben Dich“. Das
war auch sehr schön.
Der Weg nach Sansol war hart, es
ging gut 2 Stunden lang wieder durch die nicht endende Ebene.
Glücklich kamen wir in Sansol an.
Duschen, Wäsche waschen und dann im Garten ein Bier, herrlich!
Um 18 Uhr feierten wir in der
Herberge (mit einer Südkoreanerin als Gast) Gottesdienst. Auch das Abendessen
gab es dort.
Ein herrlicher Tag!
Peter Franz
Dienstag, 16.06.2015
7. Pilgertag von Sansol nach Logroño
(21 km)
Der Start war einigermaßen
ungeordnet, denn im Dunkeln suchten wir unsere Sachen zusammen, um die Rucksäcke
zu packen, was eigentlich nach dem Frühstück geschehen sollte, um andere Pilger
nicht im Schlaf zu stören. Das war die Ansage des Vorabends. Einer fing an und
es entwickelte sich eine „Gruppendynamik“.
Um 6 Uhr gab es Frühstück, danach
Morgenandacht und um 7 Uhr ging es in der Morgenfrische los. Der Himmel war
teilweise bewölkt, teilweise aber schien die Sonne, was ein wunderbares Licht
hervorzauberte.
Gegenüber den vorhergegangenen Tagen
fanden wir eine veränderte Landschaft vor. Die weiten Getreidefelder Navarras
gingen in die Weinlandschaft der autonomen Provinz Rioja über.
Der Weg passte zu dem von uns öfters
gesungen Lied „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht“ (und kräftigem Wind).
Wir kamen durch die kleine Stadt
Viana, in der wir das Glück hatten, den Messner zu finden, der die Pfarrkirche
aufschloss. Innen war sie prächtig, gotisch, aber mit barockem Hochaltar. Der
Stil der Säulen war deutlich unterschiedlich zu denen in Navarra.
Wir konnten die Messe dort feiern.
Der Messner war erst etwas zögerlich, das zu gestatten. Als er aber merkte,
dass P. Augustinus alles Nötige dabei hatte, wurde er milder, um nicht zu sagen
freundlich.
Draußen wehte ein starker, kalter
Wind und bevor wir uns auf den Rest des Weges nach Logroño machten, gab es eine
Runde Milchkaffee.
Guter Stimmung trafen wir in Logroño
ein und nach der Überquerung des Rio Ebro fanden wir ganz schnell unsere
Herberge.
Dort begann der Pilger Freizeit.
Betten belegen, Wäsche waschen/trocknen, duschen, Füße cremen, umziehen.
Die gesamte Stadt Logroño hat den
Charme einer großen Kaserne. Die Neubauviertel ähneln sehr Plattenbauten. Wir
gingen aber los, um die historische Altstadt zu erkunden. Auf einem sehr
schönen Platz saßen wir, beziehungsweise die meisten der Gruppe becherten noch
etwas. Das war einfach gemütlich.
Jetzt warten wir auf das Abendessen,
das hoffentlich so gut sein wird, wie an den Abenden zuvor.
Insgesamt war es ein erholsamer Tag,
denn wir gingen nur 21 km.
Ingrid Dahlmanns
Mittwoch, 17.06.2015
8. Pilgertag von Logroño nach Nájera
(31 km)
Tag acht auf dem Weg von St.
Jean-Pied-de-Port nach Burgos.
Wecken um 5:30 Uhr. Die Herberge ist
nicht der Renner gewesen. Nach einem kargen Frühstück brechen wir pünktlich um
6:45 Uhr auf nach Nájera. Das wird heute wohl die längste Etappe mit ca. 31-33
km sein.
Unser Pilgerfreund Aloys hat uns
heute verlassen, nachdem er uns 2 Tage begleitet hat. Eigentlich hat er uns von
Anfang an begleitet. Man sieht sich auf dem Weg ja andauernd, beziehungsweise
man trifft sich unterwegs immer wieder. So verabschiedeten wir Aloys mit den
Worten „wir sehen uns, bis später mal“.
Tja, und unser Peter hatte gestern
in Logroño eine 5 kg schwere Wassermelone gekauft, die er in seinem Rucksack
bis nach Navarrete mitschleppte. In Navarrete, vor der Kirche, gab es dann nach
13 km eine traurig-böse Überraschung. Die Wassermelone war schon angegoren und
nicht mehr essbar. Somit hat Peter die Melone etwa 3 Stunden umsonst
mitgeschleppt. Augustinus kaufte eine neue große Wassermelone, so dass jeder
noch zu einem leckeren Stück davon kam.
Der Hochaltar der Kirche von
Navarrete war total beeindruckend. In der Größe und mit so viel Prunk habe ich
noch keinen Altar gesehen.
Weiter ging es dann in Richtung
Nájera. In Ventosa vor der Kirche fanden wir einen schönen Platz, um Brotzeit
zu machen. Um ca. 14:45 Uhr erreichten wir dann Nájera.
Der heutige Weg war lang, 31 km lang
und ein großer Teil ging über Asphalt und über Geröllpiste. Beides war nicht
sehr angenehm für Gelenke, Beine und Hüfte.
Alles in Allem war es ein schöner
Tag, ein anstrengender Tag, aber nach einer Dusche und einer Dose San Miguel
aus dem Automaten, ging es dann wieder. Um 18 Uhr war Treffen und anschließend
gemeinsames Abendessen. Ich denke mal, dass die kommende Nacht alle gut
schlafen werden.
Morgen wird es etwas ruhiger. Von
Nájera bis Sto. Domingo de Calzada sind es dann „nur 21 km“. Damit wird Tag
acht beendet.
Lothar Mehlem
Donnerstag, 18.06.2015
9. Pilgertag von Nájera nach Santo
Domingo de Calzada (20,6 km)
Wie gewohnt sind wir um 5:30 Uhr
aufgestanden. Nach einem kleinen Frühstück in einer Bar ging es los.
Unser heutiger Weg führt uns
zunächst durch endlose Weinberge mit tollem Blick bis zum Horizont.
Danach wechselte die Landschaft und
wir wanderten durch schier endlose Getreidefelder.
Nachdem wir eine Geisterstadt rund
um einen Golfplatz durchquert haben, kommen wir nach Ciriñuela und kehren dort
in der einzigen Bar ein. Nach einer leckeren Stärkung geht es weiter.
Die Landschaft bleibt,
Getreidefelder soweit das Auge reicht. Aber nicht langweilig, Ganz im
Gegenteil. Da keine Monokultur betrieben wird, ist es ein einziges Farbenspiel
bis zum Horizont.
Nur die Wege sind nicht gerade
ermunternd – kerzengrade und nicht enden wollend. Nichts desto trotz haben wir
die heutige Etappe „leichtfüßig“ bewältigt.
Leider bleibt der heutige Tag auch
deshalb in Erinnerung, weil kurz vor Sto. Domingo de la Calzada ein spanischer
Radfahrer vor unseren Augen verunglückte. Kurz zuvor hatte er uns noch fröhlich
ein „Buen Camino“ zugerufen. Für ihn ist der Camino hier zu Ende. Er musste ins
Krankenhaus. Wir sind alle sehr betroffen und sehen, wie schnell sich das Leben
ändern kann.
Wir setzen unseren Weg fort und
beten ein „Vater unser“ für ihn.
Etwas später erreichen wir das
Monastero Cisterciense und beziehen unsere Unterkunft: Doppelzimmer, eigenes
Bad und weiße Handtücher. Was für eine Überraschung!
Der Nachmittag steht zur freien
Verfügung. Um 18 Uhr treffen wir uns wieder. Gemeinsam mit den Schwestern
feiern wir um 18:30 Uhr die Vesper und anschließend in einer extra Kapelle des
Klosters unser Heilige Messe.
Ein leckeres Essen bei den super
netten Schwestern rundete diesen wunderbaren Tag ab.
Gute Nacht!
Simone Leiendecker
Freitag, 19.06.2015
10. Pilgertag von Sto. Domingo nach
Belorado (ca. 24 km)
Um 6 Uhr Morgengebet in der schönen
Herberge bei den Schwestern im Zisterzienserkloster. Ohne Frühstück sind wir um
6:30 Uhr bei schönem, kühlen Wetter in Sto. Domingo de la Calzada losgegangen.
Nach 1,5 Stunden an schönen
Weizenfeldern und Feldern mit weißem Mohn vorbei, sind wir in Grañón
angekommen. Hier gab es gutes Frühstück und wir haben gleich die Brote für den
Mittag gemacht. Die Kirche war offen und wir haben ein Lied gesungen und
gebetet.
Um 9 Uhr ging es wieder weiter. Nach
eine halben Stunde kamen wir zum Übergang von La Rioja nach Castilien-Leon.
Nach einer weiteren halben Stunde
erreichten wir Redecilla del Camino. In der Pfarrkirche ist ein romanisches
Taufbecken aus dem 12. Jahrhundert. Aber leider war die Kirche geschlossen.
Bei der nächsten Trinkpause ließ
Lothar eine Spruch los “jeder langt dem Anderen an den Sack, das ist pilgern”.
Bald darauf gehen wir durch das Dorf
Castildelgado. Hier wurde im 11 Jh. der hl. Dominge de la Calzada geboren, der
später die gleichnamige Stadt gründete.
Um 11:30 machten wir im Gelände eine
halbe Stunde Mittagspause. Der Himmel hatte sich bewölkt und wir hatten noch c.
1,5 Stunden entlang einer Verkehrsstraße nach Belorado, unserem Tagesziel des
zehnten Tages unseres Pilgerweges zu gehen.
In der Albergue Cuatro Cantones
kamen wir gegen 13 Uhr an. Hier konnten wir uns noch schön ausruhen und danach
duschen.
Um 18:30 Uhr war Messe in der Kirche
Santa Maria. Der Tagesimpuls war: Wir beten für uns und alle Menschen um
Frieden.
Das Abendessen hatte P. Augustinus
wieder gut ausgesucht.
Eine gute Nacht und „Buen Camino”
für den nächsten Tag.
Marianne Kachelriß
Samstag 20.06.2015
11. Pilgertag von Belorado nach Agés
(26 km)
6 Uhr Frühstück, danach Morgengebet.
Das Thema des Tages lautet: „Schöpfung“.
Gegen 7 Uhr gehen wir los. Es ist
wolkenlos, aber sehr kalt. Bald verlassen wir Belorado und unser Weg führt uns
durch das weite Hügelland mit seinen endlos scheinenden Getreidefeldern.
Wir fanden das japanische Pärchen
(auf Hochzeitsreise), welches wir immer wieder auf unserem Weg treffen.
Wir kommen durch die Orte
Villambistia und Villafranca Montes de Oca. Schade dass die Kirche geschlossen
ist. Oberhalb von Villafranca wird Brotzeit gemacht, damit wir den Aufstieg zum
Puerto del la Pedraja gestärkt sind. Der Weg über die Gansberge (Montes de Oca)
zum Pass ist malerisch. Er führt durch dunkelgrüne Eichen- und Kiefernwälder,
die Schatte spenden, denn die Sonne meint es heute gut mit uns.
Auf der Passhöhe (1150 m) steht ein
Gedenkstein, der an den spanischen Bürgerkrieg 1936 erinnert.
Es geht bergab, immer in Gottes
schöner Natur. Der Weg wird von Heidekraut, Farnen und verschiedenen Blumen
gesäumt.
Gegen Mittag legen wir eine große
Pause ein und wir feiern unsere tägliche Heilige Messe im Freien.
Es geht sanft bergab und wir kommen
an zwei alten, starken Eichenbäumen vorbei und erreichen kurz darauf die Kirche
von San Juan de Ortega.
Ein guter Kaffee und ein frisches
Getränk mundeten uns sehr.
Danach geht es weiter nach Agés.
Der heutige Pilgerweg und das Thema
„Schöpfung“ waren voll im Einklang. Wie besuchten noch die Kirche in Agés und
dankten für den wunderschönen Tag.
Brigitte Dressler und Agnes Hirsch
Sonntag, 21.06.2015
12. Pilgertag von Agés nach Burgos
Der Tag beginnt wie immer früh.
Danach hielten wir Morgenandacht vor der Kirche von Agés.
Ein Storchenpaar hatte die rechte
Ecke des Kirchturms besetzt, ließ sich aber von unserem Gebet und Gesang nicht
aus dem Schlaf wecken.
Nach dem Frühstück in unserer
Herberge ging es auf einem steinigen, Geröll-Weg Richtung Atapuerca. Auf einem
Platz des Ortes steht ein Bronzedenkmal zur Erinnerung an die ersten Europäer,
die in einer Höhlenlandschaft in der Nähe des Dorfes siedelten.
Über eine feste Staubstraße gingen
wir bei strahlendem Wetter Richtung Burgos.
Schon um 8:15 sahen wir unser Ziel
von weitem.
Gerald hat den „schöneren“, wenn
auch etwas weiteren Weg um den Flughafen herum und am Ufer des Rio Arlanzón
ausgewählt. Der war etwas weiter als der offiziell Ausgeschilderte durch das
öde Industriegebiet der Stadt.
Um den Flughafens herum war es etwas
langweilig, aber später lief Weg in einer Stadtpark-ähnlichen Grünanlage am
Fluss entlang, die am Sonntagmorgen gut von den Bürgen der Stadt frequentiert
wurde. Dort hatten wir eine erholsame Pause.
Um 12:20 Uhr standen wir vor der
ungewöhnlichen Kathedrale von Burgos.
Mit Gesang und Gebet bedankten wir
uns für den guten Verlauf unserer Pilgerwanderung. Trotz vieler kleiner
Blessuren, besonders an den Füssen und Beinen, schafften wir es alle aus eigener
Kraft anzukommen.
Nach kurzer Wanderung durch die
Altstadt von Burgos erreichten wir unser Hotel, wo wir uns vor dem Bezug der
Zimmer erst einmal eine Bier- und Tonicwasser-Pause gönnten. Es gab
2-Bett-Zimmer mit Bad. Welche Wohltat nach den Herbergen. Hier durften wir für
2 Nächte bleiben.
Ingrid Dahlmanns
Montag, 22.06.2015
- Der Abschlusstag auf dem Weg –
Endlich in einem richtigen Bett bis
8 Uhr ausschlafen. Das hat uns allen sehr gut getan. Frühstück gab es im Hotel.
Um 9 Uhr hat uns unsere
Stadtführerin, Monsa (Montserrat), abgeholt. Eine sehr nette Spanierin, mit
einem Akzent, in den wir uns sofort verliebten.
Gleich in der Nachbarschaft unseres
Hotels startete die Führung am Johannestor. Eine weitere Station, dem ehemaligen
Standort der Stierarena, erinnert nur noch ein großer Stier daran. Die Arena
wurde aus der Stadt heraus verlegt und es entstand ein neues Stadtviertel.
Durch die Altstadt schlenderten wir auf dem Jakobsweg zum Castello. Auf eine
Anhöhe ist nur noch die Ruine des Königssitzes zu sehen. Das Castello wurde
beim Abzug der Armeen Napoleons zerstört. Von dort hat man einen wunderbaren
Fernblick auf die gesamte Stadt und die Kathedrale. Wir waren alle sehr
beeindruckt und es war sicherlich ein weiterer Höhepunkt unserer Reise. Weiter
ging es ca. 2 km zur Abtei Las Huelgas Reales. Das gotisch geprägte Kloster war
einflussreich, mit finanzieller und weltlicher Macht ausgestattet. Heute ist es
im Besitz der Stadt und es leben dort nur noch 30 Zisterzienser-Schwestern.
Über schöne Gartenanlagengingen
gingen wir zurück in die Stadt zum Marientor. Dort kamen die Pilger in Burgos
an und gingen, wie auch wir am Vortag, zur Kathedrale.
Nach zwei Stunden zur freien
Verfügung (Tapas essen, Wein trinken, Siesta) trafen wir uns um 14 Uhr wieder
unsere Führerin Monsa. Sie ging mit uns durch die Kathedrale, welche vom
deutschen Baumeister Hans von Köln (Mitte 15 Jh.) erbaut wurde. Beauftragt
hatten den Bau König Ferdinand III von Kastilien und Maurizio, Bischof von
Burgos. An den Türmen ist die Ähnlichkeit mit dem Kölner Dom zu erkennen. Die
gotische Kathedrale ist die Bischofskirche des Erzbistums Burgos und ist der
Jungfrau Maria geweiht. Seit 1984 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Neben
dem sehr schönen Hauptaltar beindruckten uns die 18 üppig dekorierten Kapellen.
Im Jahr 1921 verlieh Papst Pius XI der Kathedrale den Titel „Basilica Minor“.
Um 17 Uhr feierten wir in der
Kathedrale in der Kapelle Sancta Tecla Abschlussgottesdienst. Eine Stimmung der
Traurigkeit über das Ende der Pilgerreise und der Freude auf zu Hause lag über
der Messe.
In einem von Señora Monsa
empfohlenem Restaurant ließen wir den Tag ausklingen.
Peter Franz
23.06.2015
Heimreise
Noch einmal konnten wir uns
ausschlafen und um 9:15 Uhr gingen wir nach dem Frühstück und einem Morgengebet
ca. 10 Min. zu Fuß zum Bus. Wir fuhren ca. 30 Min. zu dem außerhalb liegenden
Bahnhof. Von dort aus ging es zwei Stunden mit einem bequemen Zug nach Madrid.
Dort nahmen wir die U-Bahn und mussten noch einmal umsteigen bis wir am
Flughafen Madrid angekommen waren. Nach einer etwas längeren Wartezeit startete
unsere Flieger pünktlich um 19:45 Uhr von Madrid nach München. Dort wurden
Marianne, Siegfried und Peter von ihren Familien abgeholt. Für die restlichen
Pilger hat Augustinus seine Mitbrüder Br. Markus und Br. Alto mit Autos
bestellt, um nach St. Ottilien zurückzufahren.
Peter Franz
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